03.11.2026, 14:25 Uhr
Deswegen hatten Bündnis Heideterrasse und BUND Köln schon 2014 einen Antrag auf Ausweisung eines Naturschutzgebiets gestellt. Denn angesichts des drohenden "Bauturbos" ist keine Fläche mit geringem Schutzstatus (die Mielenforster Wiese ist bisher nur Landschaftsschutzgebiet) mehr vor dem inflationären Flächenverbrauch sicher. Zudem ist die Stadt als Eigentümerin dauerhaft hoch verschuldet, hat zuallererst die Naturschutzmittel zusammen gestrichen. Ein höherer Schutzstatus bietet die Chance, EU-, Bundes- und Landesmittel in ganz anderer Dimension für die Fläche zu akquirieren und die Mielenforster Wiese damit dauerhaft zu sichern.
Zum Beispiel auch die Beweidung eines wesentlichen Teils der Wiese. Diese muss dauerhaft gesichert werden, u.a. weil Huftiere eine wesentliche Grundvoraussetzung für heimische biologische Vielfalt darstellen. Dies geht nur über den Neubau der mittlerweile maroden Zäune, und das geht nur über Naturschutzfördermittel.Aber es gibt noch andere Gründe für das neue Naturschutzgebiet. Botanisch ist der Zustand der Wiese derzeit noch hervorragend, aber faunistisch geht es ihr richtig schlecht. Durch die massive Zunahme von Hundehaltern sind alle Vogelarten der offenen Lebensräume in den letzten 15 Jahren verdrängt worden. Hinzu kommt der hohe finanzielle Aufwand dadurch, dass das mit Hundekot kontaminierte Heu nicht genutzt, sondern entsorgt werden muss. Auch insektenkundlich ist Vieles im Argen, weil die Mahd nicht zeitlich und räumlich gestaffelt umgesetzt wird. Dadurch werden in einem Schlag Massen von Schmetterlingen. Heuschrecken und Co. vernichtet.
Aber es gibt über die Vermeidung der schon bestehenden negativen Einflüsse hinaus auch noch viel Luft nach oben.So hatten die Stadtentwässerungsbetriebe Köln ja 2015 vollständig dabei versagt, die EU-Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen. Das bedeutet nämlich für den Frankenforstbach, der durch die Wiese verläuft, dass er von dem jetzigen Kanal in sein ursprüngliches Bachbett zurück darf - was er bei Hochwasser auch immer wieder erfolgreich versucht hat. Diese Maßnahme, die wieder zu einer periodischen Flutung der Wiese führt, ist wichtig für das Überleben der Wiesenknopf-Silgenwiese. Es ist aber auch darüber hinaus eine wesentliche Hochwasserschutzmaßnahme für die westlich gelegenen Siedlungen.
Ein zentrales Manko in dem Gebiet besteht zudem aus dem Fehlen von Säumen und Waldmänteln, d.h. fließenden Übergängen zwischen Wiese und Wald bzw. Forst. Diese sind insbesondere für heute fehlende Vogelarten wie Goldammer oder Klappergrasmücke, auch für Haselmaus und Gartenschläfer von zentraler Bedeutung, lassen sich im Management aber durch die Rücknahme erster Forstreihen herstellen.Es gibt also gute Voraussetzungen, aber noch viel zu tun. Damit das angepackt werden kann, ist der höchstmögliche Schutzstatus die wesentliche Grundlage. Die Ausweisung der Mielenforster Wiese wäre ein Meilenstein zur Sicherung einer der schönsten und wertvollsten Flecken von Köln.